1. Themen

- Themen finden

- Welche Themen eignen sich?

THEMEN FINDEN

Eigentlich dürfte sich die Frage nach geeigneten Themen gar nicht stellen: Wer mit offenen Augen durch den Tag geht, sieht genügend, sagen einem gern gestandene Redakteure.

Und sie haben Recht.

Alles, was einem über den Weg läuft, was man sieht, hört, einen beschäftigt - alles kann in Artikelideen verwandelt werden.


Persönliches

Nehmen wir den typischen Morgen eines Studenten. (in Klammern: einige Artikelideen)

  • Der Wecker klingelt ("Wann steht der Durchschnitt der Studenten auf, was sagen Schlafforscher dazu, gibt es Trends?"). Er steht auf, sucht sich Hose und Hemd (Wo kann man am günstigsten Klamotten einkaufen, die besten Waschsalons, Pflegetipps),
  • wankt zum Badezimmer (Alkoholismus unter Studenten,), putzt sich die Zähne (Reportage aus der Zahnklinik: Medizinstudenten behandeln Kommilitonen; genügend Praxis, Kunstfehler?), geht aufs Klo (Anstieg der Nebenkosten: Warum?; Alternative/billigere Anbieter). In der WG-Küche (Tipps für den WG-Putzplan, Warum wohnt man immer noch bei den Eltern?) schaltet er das Radio ein (Vergleich&Kritik der Radioprogramme, Second-Hand-Radios) und trinkt einen Kaffee
    (Wie viel ist gesund?; die dümmsten Kaffeetassen-Sprüche).Schließlich springt er auf (Fitness unter Studenten) und eilt (Stressbewältigung; Warum immer nur Di-Mi-Do-Woche?), nachdem er sich die Schuhe angezogen hat (Trends der Saison,die zu vermeiden sind; Jagd auf Hundehaufen), aus der Wohnungstür (Einbrüche in WGs; Kriminalität unter Studenten; Versicherungsschutz).

30 Minuten nach dem Aufstehen, 30 Themen. Mit wenig Übung funktioniert das den ganzen Tag.

Oder auch: Worüber macht man sich selbst gerade Sorgen (Prüfungsanforderungen, Behördenstress) , was interessiert/gefällt einen gerade (Theaterstück), was hat man gerade privat recherchiert (Telefontarife, Laptop-Preise), was hat man gesehen und wundert sich (neue Baustelle, wie geht es dem knieenden Bettler da).

Systematisches Vorgehen

Themen kann man auch systematisch finden. Ein Teil des folgenden koordiniert der Chefred am besten im Redaktionsbüro, um Reibungsverluste zu vermeiden.

  • Pressemitteilungen: Vereine, Verbände, Interessengruppen, Unternehmen sind daran interessiert, das Neueste über sich (Produkte, Argumente, Vorstandswahlen) bekannt zu machen. Diese Infos bekommt man frei Haus, über eMail-Verteiler oder Fax.

  • Archiv: Was wurde aus alten Geschichten? Was macht heute derundder? Wie haben sich seitdem Preise oder Einstellungen verändert? Was ärgerte die Leser vor ein paar Jahren
  • Kalender: Jahrestage, Todestage, anstehende Eröffnungen, Vertragsverhandlungen, Wahlen, wichtige Sportereignisse usw.
    Wichtig deshalb: Ein gut gepflegter Redakteurskalender

  • Konkurrenz: Was schreiben andere Medien? Deren Themen lassen sich meistens abgewandelt für eigene Leser aufbereiten. Gibt es das auch vor Ort? Machen oder betrifft das irgendwie auch die eigenen Leser?
    Beispiele:
    OTZ: Bürgermeister Jenas für Erhöhung d. Kindergartengebühren
    -> Reaktionen Studenten/Angestellte mit Kind?
    Spiegel: Papst erkrankt
    -> Wie alt sind die hiesigen Pfarrer, wer würde sie nach deren Renteneintritt/Tod ersetzen?
    -> Der älteste Professor, Firmenchef
    -> Behinderte in Führungspositionen

  • Regelmäßige Gespräche:
    • mit PR-Beauftragten (für Trends, Vertrauen für Interna, Hintergründe),
    • mit Freunden/Bekannten: Was sorgt euch, was verwundert euch, was findet ihr merkwürdig, oder auch lustig?

WELCHE THEMEN EIGNEN SICH?

Man muss sich nur immer wieder fragen:

  • Was könnte die Zielgruppe, was könnte den Leser interessieren?

Denn jede Zeitung, jedes Medium hat eine bestimmte Zielgruppe. Und die konsumieren das Medium nur, weil es ihnen etwas bietet, was andere nicht oder zumindest nicht so gut können. Sie erwarten, dass sie Berichte finden über jene Dinge, die sie interessieren, die ihnen Sorge machen, oder ihnen Sorge bereiten könnten.


Leser entscheiden sich für das Medium, weil:

Dieses Medium schreibt über Themen, die die Leser interessieren; die für sie relevant sind, weil sie ihr Alter, Wohnort, kulturellen Interessen, Geschmack, Verdienstmöglichkeiten betreffen --> weil sie in erster Linie informieren und zudem unterhalten.

"Es hilft mir, über meine Umwelt Bescheid zu wissen und für sie besser gerüstet zu sein: z.B. zu wissen, was ich abends mache oder wer schuld ist, das die Bahn mehr kostet. "

"Ich lese den Lokalteil, weil ich wissen will, was in der Stadt vorgeht, in der ich mich täglich bewege."

"Ich lese den Spiegel, weil ich glaube, dass er am besten über Politik informiert ist und mit Politikern schön respektlos umgeht"

"Ich mag die Bild, da bin ich schnell und verständlich über alles Wichtige informiert. Die ist nah dran an am Geschehen."

Journalisten müssen:

sich ihre Kompetenzen bewusst machen, sowohl allgemein als auch im Vergleich zu anderen Medien:

  • Über welche Themen kann er unmittelbar berichten, weil er vor Ort ist/war/sein wird?
  • Über welche, weil er Zugang zur Quelle der Informationen hat (Insider, Betroffene, Pressekonferenzen usw.)
  • Über welche, weil er davon etwas versteht?
  • Über welche, weil er in der Lage ist, sie verständlich und unterhaltsam zu vermitteln?

Das bedeutet z.B.: Ein studentischer Journalist kann nur dann die Zustände im Irak kommentieren, wenn er selbst dort war - und es andere Medien nicht schon besser getan haben. Er kann aber sehr gut irakische Studenten befragen oder ihre Lage kommentieren.

Er kann nicht über die Lage im Irak berichten, wenn er darüber nur in Zeitungen gelesen oder Fernsehberichte gesehen hat.


Wer dies ständig vor Augen hat, dem fällt es nicht schwer, Themen zu finden:

"Wir schreiben über die Themen, die unseren Lesern gefallen
UND denen wir gerecht werden können."


Was lässt sich aus dem Thema machen? Stimmt es überhaupt? 2. Recherche
JEDOCH: Maßgeblich für einen Artikel ist nicht nur die Idee für das Thema, sondern die 3. Perspektive(n) darauf.