6. Redigieren


Die undankbarste Aufgabe ist das Redigieren von Artikeln. Meist muss es der Chefredakteur oder Ressortleiter machen, wenn keiner mehr da ist, die Druckmaschine wartet und sowieso noch längst nicht alles fertig ist.

Beim Erscheinen dann der Ärger: Tippfehler, unverständliche Sätze, schiefe Wortbilder, verstümmelte Austiege.

Um das zu vermeiden, sollte der Journalist seinen Artikel von mindestens zwei Personen
gegenlesen lassen und dann mit ihnen diskutieren.

  • Ist der Artikel verständlich geschrieben?
  • Was, glaubt der Gegenleser, ist die Hauptaussage des Textes? (Vorher nicht verraten)
  • Funktioniert der Einstieg? Macht er neugierig, passt er zum Thema?
  • Ist der Artikel zu lang (meistens ja)?
  • Fehlen Fakten für das Verständis?
  • Phrasen und Tippfehler, Füllwörter und Widerholungen?
  • Die richtigen Zeitformen bei den Verben?
  • Sind sämtliche Abkürzungen und Fachbegriffe richtig erklärt?

Zum Schluss immer noch einmal kürzen lassen. Kürzen geht immer. Wirklich Immer. Dadurch werden die Aussagen pointierter. Nie selbst kürzen, man hängt als Verfasser zu sehr an eigenen Formulierungen.
Leser entscheiden sich eher, kurze Texte zu lesen als lange. Das scheint ihnen schneller bewältigbar.

Redigieren ist wichtig. Es ist die erste Leserrückmeldung, und deren Kritik kann noch verarbeitet werden. Wer sich nicht kritisieren lassen will, hat im Journalismus nichts zu suchen. Denn schließlich soll der Artikel hauptsächlich dem Leser nutzen, und nicht dem Ruhm des Autoren. Der kommt automatisch, wenn der Text dem Leser gefällt.

Die Gegenleser sollten auch Vorschläge für Überschriften machen. Der Autor sollte sie möglichst nie selbst entwerfen, er ist zu nah an seinem Text dran. Ihm fällt es deshalb schwerer, mit dem Thema spielerisch umzugehen.

Redigieren kostet Zeit. Deswegen rechtzeitig abgeben - und nicht erst kurz vor Redaktionsschluss. Das hilft Ärger vermeiden.


Fertig ist der Artikel. Aber dabei auch die Goldenen Regeln beachtet?