|
2. Recherche
- An-Recherche
- Tiefen-Recherche
- Investigativer Journalismus
- Überprüfung der Recherche
Journalist zu sein heißt nicht, Artikel zu schreiben. Seine wahre, wichtigste Aufgabe ist das Recherchieren: Das Herausfinden, Ordnen und Bewerten von Informationen - Fragen im Namen des Lesers zu stellen. Der Artikel danach dient der Vermittlung der gefundenen Fakten. Das unterscheidet Journalismus von Literatur.
Die An-Recherche
Nach der Idee für ein Thema muss man erst einmal zwei Fragen beantworten:
- Was ist dran an der Geschichte?
Stimmt sie überhaupt, wer ist betroffen, wer ist Handelnder, wann fällt/fiel eine wichtige Entscheidung
- Ist sie relevant für die Leser?
Aktualität, Betroffenheit, Interesse, Häufigkeit des Autretens usw.
Dies klärt die An-Recherche. Meist ist sie nach ein, zwei Anrufen bei Betroffenen oder Akteuren sowie etwas Googeln erledigt. Das reicht meistens, um den Umfang und die Relevanz der Geschichte einschätzen zu können. Mehr soll, mehr kann auch die An-Recherche gar nicht leisten. In keinem Fall darf man es bei der An-Recherche belassen. Das gebietet nicht nur die journalisitische Sorgfalt - das verlangt auch der Leser. Er will schließlich mehr erfahren als er selbst schon weiß.
Ziel: Mit den Ergebnissen der An-Recherche kann dann der Journalist seinen Chefredakteur/Redaktionskonferenz ansprechen, um den Umfang des Artikels zu besprechen. Gemeinsam können dann alle überlegen, welche Perspektive (Schritt 3) die richtige sein könnte.
Tiefen-Recherche
Die eigentliche Recherche kümmert sich dann um die Fakten, die bisher noch keiner weiß, wissen soll oder niemand verstanden hat.
Hier greifen alle journalistischen Ws:
- WER (mit Wem) hat WAS getan, WEN genau betrifft es? Akteure und Betroffene herausfinden.
- WARUM hat er es getan? (Hintergründe: Aussagen, Positionen, Erklärungen, Vermutungen)
- WIE hat er es getan? (Vorgehen: Ist es rechtens? Wer war noch beteiligt? Wer war nicht beteiligt?)
- WANN ist es jeweils passiert und WO? (Genauer Ablauf von Handlungen, Prozessen, Entscheidungen)
- WOHER stammen die jeweiligen Informationen? Sind sie zuverlässig? Was sagen andere Quellen? Das heißt: Unbedingt mehrere Akteure befragen: Bei Entscheidungen gibt es immer Befürworter und Gegner, es gibt welche, die von einer Entscheidung profitieren, und welche, die darunter leiden.
Ziel: Nach einer richtigen Recherche kann der Journalist alle diese W-Fragen detailliert und mit Belegen beantworten. Das heißt, er hat Protokolle, Reden, Statistiken, Bandaufnahmen oder Mitschriften von Gesprächen usw. vorliegen, verglichen und überprüft.
Die Recherche ist natürlich abhängig von der Perspektive, die man darstellen will - aus einem einfachen Grund: Effektivität. Wer einen Barmann eine Nacht lang bei der Arbeit beobachten mill, muss sich nicht in die Tiefen der Gaststättenverordnung vorarbeiten - auch wenn es nicht schadet.
Zwei Dinge dürfen nicht passieren:
- Dass man eine der W-Fragen nicht beantworten kann - irgendwie, irgendwo bekommt man immer eine Antwort -meistens sogar mehrere.
- Dass nach dem Artikel Fakten mit leicht zugänglichem Material widerlegt werden. Dann hat der Journalist sich nicht genügend bemüht - oder seine Quellen nicht ordentlich dokumentiert.
Wichtig:
- alles notieren und aufheben,
- immer Gegenseite zu Wort kommen lassen
- Widersprüche darstellen
- Informanten schützen
- Sachverhalte und Verständlichkeit ggf. durch Externe (Experten, andere Redakteure) gegenprüfen lassen.
Investigativer Journalismus
Um ein Missverständnis zu vermeiden: Recherchieren heißt nicht automatisch, investigativ vorzugehen. Der INVESTIGATIVE JOURNALIST findet Ereignisse, Zusammenhänge und Hintergründe heraus, die nicht bekannt werden sollen - zumindest nach dem Willen der Akteure. Das herauszubekommen geht - mit Hartnäckigkeit, guten Kontakten und Ausdauer. Ein, zwei Anrufe reichen da nicht.
Überprüfung der Recherche
- Ist der Sachverhalt präzise und detailliert dargestellt?
- Sind Beteiligte, Motive, Handlungen klar und benannt?
- Ist der Geschehensablauf lückenlos und verständlich rekonstruiert?
- Werden·Ursachen und Folgen klar?
- Wird für den Leser die Relevanz deutlich?
Literatur&Links:
Die Essenz eines guten Artikels: Die überraschende Perspektive
|